traumspiel

Montag, 21. November 2005

der schlaf

"der schlaf, der befreier, verursacht oft schmerz; aber wenn der schmerz am heftigsten ist, tritt das erwachen ein und versöhnt den leidenden mit der wirklichkeit, die, wie qualvoll sie auch sein mag, verglichen mit dem schmerzhaften traum, in diesem augenblick doch ein ergötzen ist."
august strindberg, vorbemerkung zu "ein traumspiel"

ich gehe am pannenstreifen eine autobahn entlang, richtung wien - ich möchte nach hause. bei einer auffahrt zu einer schnellbahnstation winkt mir ein nett wirkender mann, ich soll doch den zug nehmen anstatt zu fuß zu gehen. dann gehen wir gemeinsam den hügel hinauf. der mann ist um die 30, hat schwarze kurze haare und ist schwarz gekleidet. er hat etwas anziehendes, aber doch gefährliches an sich.

wir warten am bahnsteig, bis eine schnellbahn in richtung wien kommt. unterhalten können wir uns nur auf englisch, da er aus einem anderen land kommt und kein deutsch spricht. wir steigen in den zug ein, gegenüber sitzen 4 oder 5 sandler-techno-punks, die, total zu, mit einem weiteren ihre späße treiben. sie machen sich sehr bösartig über ihn witzig, schlagen ihn, hauen ihn gegen die wand, - doch der nimmt's selbst auch lustig,, reißt witze und scheint den ernst hinter der "spaß"-fassade nicht zu erkennen: sie wollen ihn wirklich fertig machen, er gehört nicht zu ihnen, auch wenn er das annimmt.
zwischendurch grinsen mich die typen immer wieder bösartig an, ich kann nur fassungslos ihrem "spiel" zusehen. wehrlos, regungslos, tatenlos.

da rammt der anführer der gruppe, der immer mit dem rücken zu uns steht und helle abgerissene jeans-hotpants trägt, dem objekt (zu dem sie den jungen mann gemacht haben), in einem orgasmusähnlichen höhepunkt seines rauschs und seiner brutalität einen weißen spitzen gegenstand in die stirn. das blut strömt, er ist sofort tot, sie schreien vor besinnungsloser freude, jubeln ob dieses "sieges", ich habe furchtbare angst, möchte schreien, kann aber nicht, aus angst vor dem was sie mir antun wenn ich mich in diesem augenblick auffällig verhalte, bin geschockt, starre mit weit aufgerissenen augen auf das schreckensszenario das sich hier abspielt.
mein begleiter hilft mir, bringt mich weg, wir setzen uns auf einen anderen platz, ich kann endlich weinen, dicke tropfen kullern über meine wangen, ich kann nicht fassen was ich gerade gesehen habe, stottere verzweifelt "vampire ... vampire!"

den mann macht es anscheinend nicht so fertig, er ist eher um mich besorgt. zeigt mir zur ablenkung fotos auf seiner digitalkamera, die er beim "schwarzen reigen" in prag gemacht hat.
auf einigen bildern ist eine junge frau mit blauen augen, blutroten lippen und roten haaren zu sehen, die mir verblüffend ähnlich sieht, nur, dass sie lange vampirzähne bleckt ...

der mann verneint jedoch, das sei nicht ich, die sähe mir auch gar nicht ähnlich. ich weiß jedoch dass er mir nicht die ganze wahrheit sagt.

schließlich stürze ich mich auf ihn, wir küssen uns mit einer verzeifelten leidenschaft - ich fühle mich ihm so vertraut ...

dann steige ich im 16. bezirk aus dem zug aus, an einer straßenbahnhaltestelle, der gegenüber eine rotbraune kirche ist und gehen nachdenklich und doch beschwingt heim.
die angst nach dem schrecklichen erlebnis steckt aber noch tief in mir.

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